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Journal · Material

Warum Zirkoniumdioxid, und wann nicht

Keramikimplantate sind unser Schwerpunkt, und die Daten geben dem recht. In einer eigenen Untersuchung haben wir 470 Zirkoniumdioxid-Implantate nachkontrolliert. Was das Material auszeichnet, was unsere Ergebnisse zeigen und in welchen Situationen Titan weiterhin seinen Platz hat.

Dr. Paul Henn · Lesezeit etwa sechs Minuten

01 · Das Material

Eine Keramik, die kein Metall im Mund hinterlässt

Zirkoniumdioxid, auch Zirkonoxid oder ZrO₂ genannt, ist eine Hochleistungskeramik: naturweiß, sehr hart und biologisch gut verträglich. Chemisch gehört Zirkonium zu den Metallen, im Implantat liegt es jedoch als Oxid vor und verhält sich im Gewebe wie eine Keramik. Deshalb gelten diese Implantate als metallfrei.

Für Patienten sind drei Eigenschaften praktisch relevant. Die weiße Farbe schimmert nicht durch dünnes Zahnfleisch, was besonders im Frontzahnbereich sichtbar wird. Die Oberfläche ist glatter als die von Titan, bakterielle Beläge haften dort schlechter an. Und im MRT entstehen keine Artefakte, was bei regelmäßigen Kernspinuntersuchungen ein handfester Vorteil ist.

02 · Die Studienlage

470 eigene Implantate, nachkontrolliert

Wir verlassen uns nicht allein auf fremde Studien. In einer retrospektiven Untersuchung an drei Behandlungszentren haben wir 470 Zirkoniumdioxid-Implantate nachuntersucht, mit einer mittleren Beobachtungszeit zwischen 5,7 und 7,8 Jahren. Das ist eine der größeren Auswertungen, die zu diesem Material vorliegen.

Die Ergebnisse sind deutlich. Der Knochen am Implantatrand ging um durchschnittlich 0,14 Millimeter pro Jahr zurück, ein Wert, der dem entspricht, was für Implantate allgemein als stabil gilt. Nach fünf Jahren waren 98 Prozent der Implantate frei von ernsten Komplikationen, bei einteiligen und zweiteiligen Systemen gleichermaßen.

Besonders aufschlussreich ist der Zustand des Zahnfleisches. Eine Entzündung des Implantatlagers, die Periimplantitis, fand sich bei 1 bis 3 Prozent der Implantate. In der zusammenfassenden Literatur liegt dieser Wert bei Beobachtungszeiten über fünf Jahren bei etwa 8 Prozent. Auch die Sondierungstiefen lagen mit 1,8 bis 1,9 Millimetern unter dem publizierten Mittel von 2,98 Millimetern, die Blutungsneigung mit 16 bis 24 Prozent unter den berichteten 28 Prozent.

Das deckt sich mit der übrigen Forschung. Entzündungsmarker fallen um Keramik niedriger aus als um Titan, Plaque haftet schlechter an, und im Tiermodell verlor Keramik bei künstlich erzeugter Entzündung weniger Knochen. Die großen Vergleichsarbeiten, darunter eine Metaanalyse aus neun Studien, finden nach drei und nach mehr als fünf Jahren keinen Unterschied im Knochenniveau gegenüber Titan. Beim Aussehen des Zahnfleischsaums liegt Keramik vorn.

03 · Die Grenzen

Wo Titan seinen Platz behält

Keramik verlangt Präzision. Einteilige Implantate müssen von Anfang an exakt sitzen, weil Implantat und Aufbau ein Stück sind. Das ist kein Nachteil des Materials, sondern eine Anforderung an Planung und Erfahrung, und genau dafür arbeiten wir mit dreidimensionaler Diagnostik und digitaler Fertigung im Haus.

Grenzen setzt eher das Angebot als die Biologie. Keramik gibt es in weniger Durchmessern und Längen, sehr kurze Implantate für ausgeprägten vertikalen Knochenmangel fehlen bislang. In solchen Fällen, und bei einzelnen weitspannigen Rekonstruktionen, greifen wir auf Titan zurück. Das betrifft eine kleine Minderheit der Behandlungen.

Kurz zusammengefasst

Keramik ist für die große Mehrheit der Versorgungen unsere erste Wahl: metallfrei, gewebefreundlich, ästhetisch überlegen und nach unseren eigenen Nachkontrollen über Jahre stabil. Titan bleibt die Lösung für knappes Knochenangebot und einzelne weitspannige Konstruktionen.

04 · Unser Vorgehen

Erst der Befund, dann das Material

Wir setzen Zirkoniumdioxid als Standard ein: metallfrei von der Wurzel bis zur Krone, geplant am dreidimensionalen Datensatz und gefertigt in unserem Dentallabor. Dass wir dieselben Implantate über Jahre nachkontrollieren und die Ergebnisse wissenschaftlich auswerten, ist Teil dieser Entscheidung.

Die Materialwahl fällt trotzdem erst nach dem Befund. Knochenhöhe, Knochenbreite, Nervverlauf und die geplante Prothetik entscheiden mit. Wenn Titan in Ihrem Fall die stabilere Lösung ist, sagen wir das.

Quellen

Eigene retrospektive Multicenter-Untersuchung an 470 Zirkoniumdioxid-Implantaten, mittlere Beobachtungszeit 5,7 bis 7,8 Jahre. Publikation in Vorbereitung.

Padhye NM et al., Survival and success of zirconia compared with titanium implants: a systematic review and meta-analysis. Clin Oral Investig 2023;27(11):6279–6290.

Pachiou A et al., ZrO Summit 2025, Group 1: Survival and clinical performance of zirconia compared to titanium implants. Int J Oral Maxillofac Implants, online ahead of print.

Moraschini V et al., Clinical outcomes of zirconia implants: a systematic review. Sondierungstiefen, Blutungsneigung und Periimplantitis-Prävalenz als Vergleichswerte.

Dieser Beitrag beschreibt allgemeine Zusammenhänge und ersetzt keine individuelle Beratung.

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