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Dr. Henn & Kollegen Digital, biologisch, gut

Journal · Forschung

Warum wir an einer der größten Studien der Keramikimplantologie mitgewirkt haben

Es ist leicht, von einem Material überzeugt zu sein. Schwerer ist es, diese Überzeugung zu prüfen. Als wissenschaftlicher Leiter einer retrospektiven Multicenter-Untersuchung hat Dr. Paul Henn 470 Zirkoniumdioxid-Implantate über mehrere Jahre nachuntersucht, um zu belegen, wie sich das Material im klinischen Alltag verhält.

Dr. Paul Henn · Lesezeit etwa vier Minuten

Vollkeramische Krone aus Zirkoniumdioxid

01 · Der Ausgangspunkt

Eine berechtigte Skepsis

Keramikimplantate hatten keinen leichten Start. Die erste Generation vor rund fünfzehn Jahren brach häufiger als Titan, vor allem bei dünnen Durchmessern, und die frühen Übersichtsarbeiten kamen zu dem nüchternen Fazit, dass die Langzeitevidenz nicht ausreicht. Wer diese Arbeiten kennt, hat gute Gründe, vorsichtig zu sein.

Seither haben sich Material, Oberflächen und Design deutlich verändert. Die aktuellen Metaanalysen zeigen für heutige Systeme Überlebensraten, die mit Titan vergleichbar sind. Offen blieb, wie sich diese Implantate über längere Zeiträume in mehreren unabhängigen Behandlungszentren verhalten.

02 · Die Auswertung

470 Implantate, drei Zentren, bis zu acht Jahre

In die Untersuchung gingen 470 Zirkoniumdioxid-Implantate aus drei Behandlungszentren ein, mit einer mittleren Beobachtungszeit zwischen 5,7 und 7,8 Jahren. Retrospektiv heißt: Es wurden keine Patienten für eine Studie behandelt, sondern vorhandene Fälle systematisch ausgewertet, anhand von Röntgenbildern und Sondierungstiefen zu festen Zeitpunkten.

Damit gehört die Auswertung zu den größeren, die zu diesem Material vorliegen. Sie hat die Grenzen jeder retrospektiven Arbeit: keine Zufallszuteilung, keine Vergleichsgruppe mit Titan im selben Setting. Was sie leisten kann, ist eine belastbare Bestandsaufnahme über mehrere Zentren hinweg.

03 · Die Ergebnisse

Drei Zahlen, die uns beruhigt haben

0,14 mm

Knochenrückgang am Implantatrand pro Jahr. Ein Wert, der als stabil gilt.

98 %

der Implantate nach fünf Jahren ohne ernste Komplikation, einteilige wie zweiteilige.

1 bis 3 %

Periimplantitis, gegenüber etwa 8 % in der zusammenfassenden Literatur bei über fünf Jahren.

Besonders aufschlussreich war das Weichgewebe. Die Sondierungstiefen lagen mit 1,8 bis 1,9 Millimetern unter dem publizierten Mittel von knapp 3 Millimetern. Das passt zu dem, was Laborstudien zu Keramik beschreiben: weniger Plaqueanlagerung, ruhigeres Gewebe.

Kurz zusammengefasst

Die untersuchten Keramikimplantate verhielten sich über Jahre stabil, mit weniger Entzündungszeichen als in der Literatur beschrieben. Das ist kein Beweis, dass Keramik besser ist als Titan. Es ist ein Belegstück dafür, dass sie zuverlässig funktioniert.

04 · Die Konsequenz

Standard mit Ausnahmen, nicht Dogma

Auf dieser Grundlage ist Zirkoniumdioxid bei uns der Standard: metallfrei von der Wurzel bis zur Krone, geplant am 3D-Datensatz und gefertigt im Dentallabor der Praxis. Genauso klar sind die Ausnahmen geblieben. Bei ausgeprägtem Knochenmangel, für den es keine ausreichend kurzen Keramikimplantate gibt, und bei einzelnen weitspannigen Rekonstruktionen setzen wir Titan ein und sagen das vorher.

Die Nachkontrolle läuft weiter. Jedes Implantat, das wir setzen, kommt in dieselbe Dokumentation. Sollten die Zahlen sich eines Tages verschlechtern, wollen wir es als Erste wissen, nicht als Letzte. Die Publikation der Auswertung ist in Vorbereitung; die vollständige Literatur zur Einordnung finden Kolleginnen und Kollegen auf unserer Seite zur Wissenschaft.

Quelle: Retrospektive Multicenter-Untersuchung an 470 Zirkoniumdioxid-Implantaten aus drei Behandlungszentren, wissenschaftliche Leitung Dr. Paul Henn, Vorstandsmitglied der ICBI Foundation, mittlere Beobachtungszeit 5,7 bis 7,8 Jahre, Publikation in Vorbereitung. Vergleichswerte aus Moraschini V et al., Clinical outcomes of zirconia implants, Clin Oral Investig. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.

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