Journal · Forschung
Die ICBI: Warum Keramikimplantologie eine eigene Forschungsstruktur braucht
Keramikimplantate werden seit über 25 Jahren gesetzt. Was fehlte, war eine Struktur, die die klinische Erfahrung in vergleichbare Daten überführt. Genau das ist die Aufgabe der ICBI Foundation mit Sitz in Zürich. Dr. Paul Henn ist eines ihrer fünf Vorstandsmitglieder und verantwortet das Ressort Europa.
Dr. Paul Henn · Vorstandsmitglied ICBI · Lesezeit etwa drei Minuten
01 · Die Organisation
International Circle for Biological Implantology
Die ICBI ist eine schweizerische Stiftung mit angeschlossenem Verein, gegründet 2020 von Dr. Karl Ulrich Volz. Sie versteht sich als wissenschaftliche Gesellschaft für biologische Keramikimplantologie und verbindet Behandler aus Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien. Rund 150 Mitglieder gehören ihr an; zusammengenommen haben sie über hunderttausend Keramikimplantate gesetzt.
Der Vorstand besteht aus fünf ehrenamtlichen Mitgliedern. Dr. Paul Henn verantwortet als Vorstandsmitglied für Europa die wissenschaftliche Fortbildung und das Next-Generation-Programm. Neben ihm arbeiten Prof. Amerian Sones (Texas A&M, Dallas), Prof. Jörg Neugebauer (Steinbeis-Hochschule Berlin), Prof. Alex Guo-Hao Lin (UCSF, San Francisco) und Dr. Karl Ulrich Volz im Gremium.
02 · Das Problem
Klinische Erfahrung ist keine Evidenz
In der Titanimplantologie liegen Daten aus Jahrzehnten und Tausenden Studien vor. Für Keramik ist die Lage anders: viele Behandler mit langer Erfahrung, aber wenig standardisierte, systemübergreifend vergleichbare Untersuchungen. Selbst grundlegende Begriffe wurden unterschiedlich verwendet, was Studien schwer vergleichbar macht.
Das ist keine akademische Spitzfindigkeit. Wenn eine Übersichtsarbeit einteilige und zweiteilige Systeme, Bone-Level- und Tissue-Level-Designs sowie geschraubte und zementierte Versorgungen in einen Topf wirft, ist das Ergebnis für die Entscheidung am Stuhl kaum brauchbar.
03 · Der Weg
Drei Ebenen, ein Datenkörper
Ebene 01
Konsensuskonferenz Nizza 2025
Über dreißig internationale Wissenschaftler haben den Wissensstand systematisch erfasst und die Evidenzlücken benannt. Sechs Manuskripte sind zur Publikation angenommen.
Ebene 02
Retrospektive Multicenter-Studie
Rund 450 Sofortimplantate aus drei Zentren, gesetzt zwischen 2015 und 2020, mindestens fünf Jahre in situ. Wissenschaftliche Leitung: Dr. Paul Henn.
Ebene 03
Prospektive Multicenter-Studie
Ein Protokoll, das auf jedes Keramikimplantatsystem anwendbar ist und die regulatorischen Anforderungen erfüllt. Ratifizierung 2026.
Akademischer Partner ist die Universität Mainz mit Prof. Bilal Al-Nawas. Die ersten Auswertungen der retrospektiven Studie werden beim Global Congress der ICBI im Oktober 2026 in Zürich vorgestellt.
„Ich bin überzeugt, dass diese Daten ein Argument dafür liefern, warum die Keramikimplantologie zum Standard werden kann und nicht nur die Alternative bleibt.“
Dr. Paul Henn · Vorstandsmitglied und wissenschaftlicher Leiter der retrospektiven Multicenter-Studie, ICBI
04 · Was das für Sie bedeutet
Der kurze Weg von der Forschung zum Behandlungsstuhl
Für Patienten hat die Vorstandsarbeit einen praktischen Effekt: Wir sehen die Daten, bevor sie veröffentlicht sind, und wir kennen die Grenzen der Verfahren, die wir anwenden. Wenn wir ein Implantatsystem einsetzen, dann weil belastbare Verlaufsdaten dazu vorliegen, nicht weil ein Hersteller es empfiehlt.
Umgekehrt fließt die Erfahrung aus unserer Praxis in die Forschung zurück. Die Dokumentation, die wir für jedes Implantat führen, ist Teil derselben Systematik, die der prospektiven Studie zugrunde liegt.
Die vollständige Studienlage mit Einordnung steht auf unserer Seite zur Wissenschaft. Informationen zur ICBI finden sich unter icbi-foundation.org.
Quellen: ICBI Foundation, Zürich, Stand September 2026. Angaben zu Konsensuskonferenz, Studiendesign und Vorstand nach Veröffentlichung der Stiftung. Dieser Beitrag beschreibt allgemeine Zusammenhänge und ersetzt keine individuelle Beratung.
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